Doku Retrochemie


Werkserien 2008 *
Organisch-bunte Transzendenz
Lange experimentierte der Autodidakt mit verschiedenen chemischen Verfahren, um seine auf realem Fotopapier reproduzierten Aufnahmen einem gezielten Zerfallprozess auszusetzen. Unter Einbeziehung von Experten auf dem Gebiet der Chemie gelang es ihm, ein Verfahren der kontrollierten Zersetzung seiner Sujets zu entwickeln. Ziel dieser Entwicklung war eine Technik, die als malerisches Mittel eingesetzt werden kann, um den auf hochwertigem Fotopapier reproduzierten Aufnahmen eine Dimension amorph erscheinender Psychedelik zu verleihen.

Die Retrochemie- Werkserien bestechen durch technische Qualität, ohne dass diese explizit in den Vordergrund gerückt wäre. Lediglich Da sind die bewusst dem chemischen Zerfall ausgesetzten grossformatigen Fotoarbeiten, die in eine geheimnisvolle Surrealität kippen.

Dadurch entstanden Unikate, da das chemische Verfahren jeden Abzug zu einem unverwechselbaren Original macht. Entstanden sind dabei auch Werke von einer geheimnisvollen, organisch wirkenden Vielschichtigkeit, deren chemische Veränderungsprozesse lebendig erscheinen, wie noch im Gange. Es sind markant einwirkende Substanzen, mit denen er und seine Helfer der Werkserie ihren psychedelisch wirkenden Schliff verleiht. Diese Transzendenz ist es auch, die den Studien weiblicher Erotik letztlich ihre besondere Mehrdimensionalität gibt.

Die durch chemische Einwirkungen in blumigorganischen Farben erscheinenden Bilder wirken vielschichtig bis unendlich tief – und deshalb unergründlich. Es ist nicht einfach, sie in ihrer Gesamtheit zu erfassen, öffnen sich doch bei jeder Betrachtung neue Perspektiven. So wirkt die Serie durch ihre chemischen Interventionen einerseits malerisch, brilliert andererseits durch eine amorphe Mehrdimensionalität, die ihr eine künstlerische Unverwechselbarkeit und kraftvolle Energie verleiht. Die Arbeiten sind, trotz ihres Bezuges zu psychedelischen Ausdrucksformen der Fotografie und Kunst in den späten sechziger bis frühen siebziger Jahren, nie retro, sondern thematisieren künstlerisch-ästhetische Fragestellungen von heute.

Sascha Serfözö, November 2008